SZ vom 04.06.2011 / Artikel von Ulrike Keller

Das kleine Mädchen Caity sorgt sich wegen der Pferdchen. In eine Blumenprinzessin ist die Sechsjährige beim Kinderschminken schon verzaubert worden - mit glitzernden Phantasieblüten, die die Wange hochranken. Aber wo das Ponyreiten ist, hat sie noch nicht ausmachen können. "Caity ist schon das vierte Jahr mit dabei", erzählt Mama Susanne Schaarschmidt.

"Sie freut sich jedes Mal auf die Hüpfburg und die Pferde." Und die Mama auf die Live-Musik. Zusammen kommen sie immer extra aus Chemnitz zum Blues- und Rockfestival nach Altzella, "damit der Papa seinen Männertag in Ruhe genießen kann". Mit ihrer Picknick-Decke haben sich die zwei einen zentralen Platz auf der großen Wiese an der Veranstaltungsscheune gesichert.

20 Bands in zwei Tagen

Diese Wiese hat Premiere. "Wir sind zum ersten Mal auf das Gelände an der Scheune gezogen", sagt Erik Weichhold vom Mittelsächsischen Jugendverein, der das Festival veranstaltet. Die neunte Auflage sollte "abends nicht mehr so kühl und feucht" sein wie in den vergangenen Jahren. Damit hat das zweitägige Musikfest nun erstmals ein Dach über dem Kopf, mit der Scheune von Kloster Altzella, in der die Hauptbühne steht. Und erstmals bekommt der Blues und Rock sogar eine zweite Bühne, unter freiem Himmel. Die kleine Bühne wird gerade eifrig bespielt: Eine Band zelebriert den ,kleinen Bruder' des Blues - der Boogie Woogie lebt. Und wie! Wippende Füße, schwenkende Hüften, twistende Knie sind im Publikum Programm.

Einzelne Damen geben sich auch ganz und gar der Musik und ihrem Tanzverlangen hin, Marke selbstbewusste Eigenkreation. Auf den Bierbänken, den Decken auf der Wiese und in den Liegestühlen an der Bühne wird gelauscht, gelacht, mitgesungen und mitgeklatscht. Nebenan, in der Scheune, ist schon die nächste Band mit dem Soundcheck beschäftigt. Zwanzig Bands in zwei Tagen, einige mit zwei Konzerten - musikalisch ist allerhand los in Altzella. "Ein besonderer Höhepunkt ist diesmal, dass der Bandvater und Bassist Jörg "Speiche" Schütze von Mr. Speiche's Monokel Blues Band bei uns seinen 65. Geburtstag feiert und die Band ihr 35-jähriges Bühnenjubiläum", freut sich Erik Weichhold vom Veranstalter-Verein.

Svenja als Katze

Die Gruppe macht nur noch rund zehn Auftritte im Jahr. "Einen davon haben wir ergattert!" Und die Überraschung für die Veranstalter: Schon in den ersten vier Festival-Stunden sind über 500 Besucher angereist - bei tausend Gästen an beiden Tagen zusammen liegt immer die selbstgesteckte Zielmarke. Die ist dann bereits am ersten Abend erreicht.

Peng. Der Ball hat eine Dose getroffen. Ein Knirps freut sich wie ein König auf der hinteren Wiese, die als Spielwiese angelegt ist. Unweit hat ein Blondschopf den Fußball ins Minitor befördert. Und für die sechsjährige Svenja aus Dresden ist ein großer Traum in Erfüllung gegangen: eine eigene Katze. Durch viele einzelne kunstvolle Pinselstriche in ihrem Gesicht. So könnte sie ohne Weiteres im Musical "Cats" auftreten. Mutti Wenke ist zufrieden: "Die Kinder fühlen sich wohl, die Musik ist gut und auch nicht zu laut, eine entspannte Atmosphäre in Altzella."

Auch Jacqueline Schröder aus Meißen genießt Musik und Sonne und freut sich, dass ihr achtjähriger Sohnemann gut beschäftigt ist. "Erst hatte er Bedenken, dass er niemanden zum Spielen findet, und jetzt seh ich ihn die ganze Zeit nicht", sagt sie lachend. Theo ist bei den aufgebauten Dosen zugange. Schuss. Daneben. Nächster Versuch.

Die kleine Caity aus Chemnitz muss jetzt ganz schnell machen. Sie hat gesehen, wie die Pferde angekommen sind. Jetzt fix die Schuhe anziehen und nichts wie hin. Bevor die Warteschlange noch länger wird.

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